Ratten in den Städten: Droht eine Plage?

Genaue Zahlen zur Rattenpopulation in Deutschland sind schwer zu ermitteln. Schätzungen zufolge könnten hierzulande bis zu 350 Millionen Ratten leben, was etwa vier Ratten pro Einwohner entspräche. Diese Zahl basiert jedoch auf Annahmen und nicht auf flächendeckenden Studien. Fest steht, dass Ratten als Kulturfolger des Menschen nahezu überall vorkommen, besonders in städtischen Gebieten. Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist dabei die am weitesten verbreitete Art in Deutschland.
Städte wie Berlin, Hamburg und Köln verzeichnen seit Jahren eine steigende Zahl von Rattensichtungen und Schädlingsmeldungen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht zwangsläufig auf eine wachsende Rattenpopulation zurückzuführen ist. Vielmehr melden Bürgerinnen und Bürger die Sichtungen häufiger, was auf ein gesteigertes Bewusstsein für die Problematik hindeutet. Dennoch bergen Ratten in Städten erhebliche Risiken für die öffentliche Gesundheit.
Ratten sind potenzielle Überträger gefährlicher Krankheiten wie Leptospirose, Hantavirus und Salmonellose. Leptospirose wird durch den Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder Boden übertragen, Hantaviren durch Kontakt mit Rattenkot oder -urin, und Salmonellen durch kontaminierte Lebensmittel. Solche Erkrankungen können schwere gesundheitliche Folgen haben, weshalb eine konsequente Rattenbekämpfung unerlässlich ist.
Die rechtliche Grundlage für die Bekämpfung von Ratten in Deutschland ist klar geregelt. Das Infektionsschutzgesetz (§ 17 IfSG) verpflichtet Behörden, Maßnahmen gegen gesundheitsschädliche Tiere wie Ratten zu ergreifen. Das Tierschutzgesetz sorgt dafür, dass die Tiere bei der Bekämpfung nicht unnötig leiden. Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) regelt den Einsatz von bioziden Produkten und stellt sicher, dass nur geschulte Fachkräfte diese Mittel verwenden dürfen. In vielen Städten gibt es zudem spezielle Verordnungen, die private Grundstückseigentümer in die Verantwortung nehmen, etwa die niedersächsische Rattenbekämpfungsverordnung.
Ein Anstieg von Rattensichtungen in deutschen Städten wurde zuletzt auch durch aktuelle Ereignisse erklärt. In Bremerhaven stieg die Zahl der gemeldeten Fälle im Jahr 2024 um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in Erlangen und Hamm berichten Behörden von einer Zunahme der Sichtungen, wobei in Hamm sogar vermehrte Beobachtungen am Tag gemacht wurden. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig: Unsachgemäße Müllentsorgung, das Füttern von Tieren und bauliche Gegebenheiten schaffen ideale Lebensbedingungen für die Nager. Regulatorische Änderungen, wie die Diskussion um die Nichtverlängerung bestimmter Rattengifte für Privatpersonen, könnten die Problematik weiter verschärfen. Mehrere Verbände und Unternehmen warnen davor, dass ein solches Verbot die Rattensituation in Städten und Gemeinden deutlich verschärfen könnte, da professionelle Schädlingsbekämpfer möglicherweise nicht in der Lage wären, den zusätzlichen Bedarf zu decken. Ohne die Unterstützung durch Privatpersonen könnte es zu einem deutlichen Anstieg der Rattenpopulation kommen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten, wo die Folgen gravierend sein könnten.
Eine der Hauptursachen für die Verbreitung von Ratten ist die unsachgemäße Müllentsorgung. Überquellende Mülleimer und achtlos weggeworfene Lebensmittelreste bieten den Nagern ideale Lebensbedingungen. Behörden und Experten appellieren daher an die Bevölkerung, Abfälle sicher und ordnungsgemäß zu entsorgen und keine Nahrungsmittelreste auf öffentlichen Plätzen liegen zu lassen. Auch der Einbau von Schutzgittern an Gebäudeöffnungen und regelmäßige Kontrollen von Abwasserleitungen können helfen, den Zugang für Ratten zu erschweren.
Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Rattenbefall, sollten professionelle Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden. Diese verfügen über die notwendige Sachkunde und setzen zugelassene Methoden wie spezielle Köderboxen ein, um eine sichere und effektive Bekämpfung zu gewährleisten. Wichtig ist auch die fachgerechte Entsorgung von toten Tieren und Giftködern, um Umweltbelastungen zu vermeiden.
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